Nur einen einzigen Immobilientyp hat der Hamburger Makler Farhad Vladi in seinem Angebot: Inseln, und zwar weltweit. In diesem Marktsegment, das Vladi im Alleingang entwickelt hat, ist sein Unternehmen Vladi Private Islands mit Abstand die Nummer eins. Rund 2000 Inseln hat er seit Geschäftsbeginn 1971 verkauft, jährlich sind es etwa 40. Zurzeit bietet er aktiv 126 Inseln zum Verkauf an und über 130 zur Miete, weitere 1200 verteilt auf 40 Länder führt er in seinem Katalog. Aus Grossbritannien, den USA sowie aus Deutschland kommen die meisten Interessenten. Inzwischen seien auch zahlreiche Schweizer dabei, berichtet Vladis Sprecherin Sabine Rollinger.
Die Kunden sind nicht nur Milliardäre und Grossunternehmer, sondern meist Freiberufler, Zahnärzte, Rechtsanwälte und Steuerberater. Sie werden strikt vertraulich behandelt; Namen werden nicht genannt, es sei denn, die Kunden wünschen es aus Gründen der Publicity. Zu den bekanntesten gehören Schauspieler wie Marlon Brando, Tony Curtis, Brooke Shields, Nicolas Cage und John Wayne oder ehemalige Spitzensportler wie Tennislegende Björn Borg.
Begehrter Platz an der Sonne
Die Preise für die meisten Inseln bewegen sich zwischen 200000 und 800000$. Die billigste mit nur 550 Quadratmetern liegt in einem kanadischen See und kostete 1500$, die teuerste auf den British Virgin Islands 12 Mio.$. Vladi berechnet eine Provision von 6 bis 8%, hinzu kommen Steuern und Gebühren des Ziellandes. Am stärksten gefragt sind Inseln in sonnigen Regionen wie Mittelmeer, Karibik und Südpazifik. Aber dort sind käufliche und bewohnbare Inseln rar, weil oft der Staat der Eigentümer ist, und in manchen Ländern wie Malaysia, Thailand und auf den Philippinen ist der Verkauf an Ausländer nicht erlaubt. Daher haben sich die Käufe in letzter Zeit auf die Ostküste und die Binnenlandseen Kanadas und der USA konzentriert, wo die Preise noch verhältnismässig tief sind, wo aber sowohl eine intakte Natur als auch wichtige Annehmlichkeiten der Zivilisation vorhanden sind. Gute Angebote gebe es zudem in Australien und Neuseeland, wird berichtet, und auch in Schweden und Norwegen könne man noch günstig kaufen.
Vladi Private Islands hat die wichtigsten Kriterien zusammengestellt, die beim Kauf einer Insel zu beachten sind. Zuerst muss sich der Interessent überlegen, ob er die Ruhe und die Einsamkeit so hoch einschätzt, dass ein solches Wagnis gerechtfertigt ist. Wenn ja, sollte er die Inseln seiner Wahl besichtigen oder aber zunächst eine Insel mieten, um zu sehen, ob ihm diese Lebensweise behagt. Für den Mietvorgang kann die Spezialabteilung Vladi Island Travel behilflich sein. Sie bietet 40 Mietinseln an, von Irland bis zu den Fidschi-Inseln und den Bahamas zu Tagespreisen zwischen 75 und 7500$ an.
Grundsätzlich sollte die Insel nicht weit vom Festland oder anderen bewohnten Inseln entfernt sein. Das Rechtssystem des Ziellandes sollte solide und transparent sein, damit die Eigentümerschaft zweifelsfrei dokumentiert werden kann. Ausdrücklich warnt Vladi vor Regionen, in denen Armut und Unsicherheit herrschen oder in denen Naturkatastrophen wie Hurrikane, Tsunami und Überschwemmungen drohen. Die Insel muss bewohnbar und zum Bauen von Wohngebäuden geeignet sein. Dass kein Trinkwasser vorhanden ist, war in früheren Jahren ein grosses Problem: Es musste vom Festland herantransportiert werden. Aber der technische Fortschritt hat die Nutzung privater Inseln wesentlich erleichtert. In rund drei Monaten wird in gut erschlossenen Regionen ein Fertighaus gebaut, Stromerzeugung, Telefonanschluss sowie Wasserversorgung (durch Bohrung oder Meerwasserentsalzung für rund 25000$) werden sichergestellt.
Teils reine Investitionsobjekte
Damit sind, wie Vladi in Interviews betont, die Vorteile des Landbesitzes auf dem Festland gegenüber Inseln weitgehend verschwunden. Auch diese Entwicklung hat die Nachfrage in die Höhe getrieben, sodass mit einer jährlichen Preissteigerung von 10 bis 20% zu rechnen ist. Daher kaufen manche Kunden die Inseln nur als Kapitalanlage, ohne sie selbst zu nutzen.
Wenn der Kunde nach der Besichtigung mehrerer Inseln seine Wahl getroffen hat, bietet Vladi Private Islands weitere Serviceleistungen an: Beschaffung der erforderlichen Genehmigungen, Abfassung eines Kaufvertrags mit Hilfe eines Notars, Prüfung des Eigentümerrechts vor der Eintragung ins Grundbuch durch einen Rechtsanwalt, damit eventuelle Hindernisse und Belastungen ausgeräumt werden können, danach Übergabe eines Eigentümerbriefs. Auch kann Vladi die Aufsicht über die Bauarbeiten und das Management der Insel übernehmen – diesen Service nutzt die Mehrheit der Kunden.
Weil die meisten Inseln nur als Feriendomizil dienen, können sie den Rest des Jahres über ein weiteres Unternehmen des umtriebigen Maklers, Vladi Island Travel, vermietet werden. Auch fürs Mieten gibt es zahlreiche Interessenten, von Hochzeitsgesellschaften bis zu Grossunternehmen, die eine anspruchsvolle Konferenz in der Abgeschiedenheit einer Privatinsel abhalten wollen.
Jährlich legt der 60-jährige Farhad Vladi mehrere hunderttausend Kilometer im Flugzeug zurück, um weltweit Informationen über nutzbare Inseln zu sammeln. Vladi ist der in Hamburg geborene Sohn eines persischen Vaters und einer deutschen Mutter. Er begann seine Karriere nach einem wirtschaftswissenschaftlichen Studium bei der Deutschen Bank und machte sich 1971 selbständig, als er feststellte, dass sich ein neuer Markt für private Inseln auftat. Der Chef des Hamburger Kaffeekonzerns Tchibo, Albert Darboven, und der Schah von Persien gehörten zu den ersten Kunden.
Vladi unterstreicht in seinen Publikationen, dass die Kunden aus allen Altersgruppen und Vermögensverhältnissen kommen, sodass nur eine einzige Gemeinsamkeit festzustellen ist: Sie sind alle starke und intelligente Persönlichkeiten, die die Natur lieben und durch Ruhe und Abgeschiedenheit den beruflichen Stress überwinden und neue Kreativität gewinnen wollen. Das formuliert er so: «Ich verkaufe keine Inseln, sondern Träume.»
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