Herr Vladi, Sie haben auch schon einigen Promis zur eigenen Insel verholfen: Nicolas Cage besitzt die Leaf Cay in der Karibik, Johnny Depp die Little Hall's Pond auf den Bahamas und Didi Hallervorden die Île de Costaeres vor der bretonischen Küste. Was treiben diese Promis auf ihren Inseln?
Es gibt Promis, die ihre Insel nutzen, und solche, die dort nur für Werbezwecke aktiv werden. Nicolas Cage etwa ist ein überzeugter Inselkäufer, er liebt die einsame Natur. Auch Hallervorden würde seine Insel für kein Geld der Welt wieder hergeben. Dagegen steht Leo DiCaprio nur mit seinem Namen für ein geplantes Ökoresort auf einer Insel in Belize.
Was kostet denn so eine Herausforderung?
Von 50 000 Euro an aufwärts. Ist ein Haus dabei, muss man zwischen 100 000 und 500 000 Euro zusätzlich rechnen.
Sie verkaufen Natur zu stolzen Preisen. Wer kann sich das überhaupt leisten?
70 Prozent unseres Umsatzes erstreckt sich auf Objekte zwischen 200 000 und 700 000 Euro. Das hält dem Vergleich mit einer luxuriösen 100-Quadratmeter-Wohnung in Hamburg für eine Million durchaus stand.
Gibt es auch Inseln zum Schnäppchenpreis, so für 19 999 Euro?
Selten. Das müssen schon Probleminseln sein, wo ein Sumpf drauf ist oder auf der der Eigentümer keine Baugenehmigung kriegt und nur zelten kann.
Im Jahr verkaufen Sie rund 30 Inseln, zurzeit haben Sie rund 120 im Angebot. Dabei gibt es nur eine begrenzte Anzahl. Wie kommen Sie an neue Objekte?
Manchmal verstirbt ein Eigentümer, es gibt Scheidungen und Konkurse. Oder jemand, der zehn Jahre auf seiner Insel Urlaub gemacht hat, braucht einen Tapetenwechsel und kauft sich eine andere. So kommen immer wieder neue Inseln auf den Markt.
Eine Insel ist keine x-beliebige Immobilie. Worauf muss man vor dem Kauf achten?
Man sollte nur Inseln, die schon erschlossen sind, überhaupt besichtigen und sich mit der Familie für ein oder zwei Wochen zur Probe einmieten. Auch das soziale und topografische Umfeld kauft man ja mit. Der spätere Eigentümer muss wissen: Wo kommt der Strom her? Wie ist die Abwasserfrage geklärt? Welche Tiere trifft man an, welche Vegetation? Wichtig sind auch die Nachbarschaftskontakte zu den Bewohnern der umliegenden Inseln oder zum Festland. Aber das Allerwichtigste ist: Wie komme ich in ein Krankenhaus, wenn mir etwas passiert, wenn ich auf einer Banane ausrutsche und mir den Kopf aufschlage? In 90 Minuten muss ein Helikopter landen oder ein Boot zu einer medizinischen Station fahren können.
Wie sind Sie zum Inselmakler geworden?
Vor über 30 Jahren habe ich selbst eine Insel auf den Seychellen gekauft, sie dann später wieder verkauft. Der Käufer war sehr glücklich damit, seine Freunde wollten dann auch eine, also bin ich auf die Suche gegangen. Nachdem ich die fünfte Insel verkauft hatte, stellte ich fest, Mensch, das sind ja gar nicht alles Aussteiger, die in Deutschland nichts geworden sind, sondern erfolgreiche Geschäftsleute, die Urlaub machen wollen. Da sah ich dann eine langfristige Geschäftsbasis.
Wohin geht der Trend bei den Inselbesitzern?
In den nördlichen Bereich, dorthin, wo die Tanne und nicht die Palme wächst. Also nach Skandinavien, zur Ost- und Westküste der USA, zur Westküste Kanadas, aber auch in den südlichen Teil Neuseelands. Das hängt mit der politischen Stabilität und der Infrastruktur der Regionen zusammen. In den Tropen werden Traumpreise verlangt, dort kaufen Leute mit sehr viel Überschussgeld. Man mietet in den Tropen, aber kauft im Norden.
Sie selbst haben sich vor 15 Jahren eine Insel in Neuseeland zugelegt. Was machen Sie dort?
Ich habe 100 Schafe und 50 Kaschmirziegen. Auf Forsythe Island bin ich der glücklichste Mensch, gehe in mich, erhole mich. Jedes Mal, wenn ich nach sechs Wochen Aufenthalt Ende Januar wieder nach Hamburg zurückkehren soll, frage ich mich: Was mache ich dort eigentlich, warum bleibe ich nicht einfach hier?
Das Gespräch führte Günter Ermlich
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