Wie wurden Sie Insel-Händler?
Das war aber ein Zufall. Eigentlich war ich selbst auf der Suche nach einer Insel. Ich wollte mir einen Traum erfüllen, den ich seit meiner Kindheit hegte, und ich hatte gehört, dass es Inseln schon für 5000 Mark gibt. Bei meinen Recherchen stieß ich auf eine wunderschöne Insel auf den Seychellen für 300 000 Mark. Ich hatte nicht so viel Geld, flog aber hin, machte Fotos und bot die Insel einigen reichen Hamburgern an. Herr Darboven kaufte zusammen mit zwei Freunden. Ich erhielt Provision und hatte einen neuen Beruf, auch wenn das Geschäft in den ersten Jahren sehr schleppend lief. Vor über 30 Jahren habe ich selbst eine Insel auf den Seychellen gekauft, sie dann später wieder verkauft. Der Käufer war sehr glücklich damit, seine Freunde wollten dann auch eine, also bin ich auf die Suche gegangen. Nachdem ich die fünfte Insel verkauft hatte, stellte ich fest, Mensch, das sind ja gar nicht alles Aussteiger, die in Deutschland nichts geworden sind, sondern erfolgreiche Geschäftsleute, die Urlaub machen wollen. Da sah ich dann eine langfristige Geschäftsbasis.
Wie sieht ein „normaler“ Arbeitstag aus und was unterscheidet Ihre Tätigkeit von der eines Immobilienhändlers?
Wir haben zwei verschiedene Arbeitstage, zum einen vor Ort in der „Insel-Welt“, zum anderen im Büro.
Im Büro geht es in erster Linie um Kundenberatung, die Suche nach privaten Insel und deren Eigentümern, heutzutage meist über das Internet und per E-Mail und um die Verwaltung einer Insel, nachdem sie gekauft wurde. Dies macht den Unterschied zu einem „normalen“ Immobilienhändler aus, der nach der getätigten Vermittlung und Erhalt der Provision keine Verbindung mehr zu dem neuen Eigentümer hat – wir schon. Bei uns wird der Service fortgesetzt!
Vor Ort ist der Arbeitstag zweigeteilt, entweder sind wir auf den Inseln mit Kunden unterwegs, dann geht es um den Organisationsablauf – angefangen bei der Bootbeschaffung bis hin zum Sightseeing in der unmittelbaren Umgebung, Steuer- und Rechtsberatung. Oder wir sind alleine unterwegs, um Recherchen anzustellen. Wir benutzen dann einmotorige Flugzeuge oder Helikopter, um Luftaufnahmen anzufertigen, schauen uns die Umgebung genauestens an, natürlich die Insel, sprechen mit dem Rechtsanwalt und Notar über den Grundbuchtitel, u.U. auch mit einem Architekten über die Bebaubarkeit - ein sehr aufwendiges Geschäft.
Gibt es Regionen, die besonders beliebt sind und solche, die nicht so gefragt sind? Gibt es so etwas wie Bestseller in Ihrem Angebot? Und „Ladenhüter“
Beliebt sind Inseln an der Ost- und Westküste der USA und Kanadas, in Skandinavien, aber auch im südlichen Teil Neuseelands. Das hängt mit der politischen Stabilität und der Infrastruktur der Regionen zusammen. Begehrt sind auch die Karibik und Französisch Polynesien, aber dort werden Traumpreise verlangt, dort kaufen Leute mit sehr viel Überschussgeld. Man mietet in den Tropen, aber kauft im Norden.
Selten gibt es Inseln zum Schnäppchenpreis. Das müssen schon Probleminseln sein, wo ein Sumpf drauf ist oder auf der der Eigentümer keine Baugenehmigung kriegt und nur zelten kann. Auch Inseln in Flüssen sind eher „Ladenhüter“. Da schwimmt öfter mal was vorbei und das Wasser ist nicht so klar. Aber erst unlängst habe ich eine solche Insel an jemanden verkauft, der im Fluss Perlen entdeckt hat, die er rausfischen will.
Welche Menschen kaufen sich eine Insel? Und warum? Ihre prominentesten Kunden?
Inselinteressenten sind häufig stressgeplagte Individualisten, die eine kleine Oase suchen, um regelmäßig ihre Batterien regenerieren zu können. Meine Kunden sind Individualisten, Menschen, die keine Animateure im Urlaub brauchen, die aber auch Telefon- und Stromleitungen, Wasseraufbereitungsanlagen zu schätzen wissen. Wer eine Insel kauft, sollte improvisieren können und die Einsamkeit schätzen. Wenn der Strom ausfällt oder ein Sturm das Dach abdeckt, kann der Inselbewohner nicht einfach den Elektriker oder die Feuerwehr ruft. Als Inselkönig muss man bereit sein, auf die Errungenschaften der Zivilisation zu verzichten. Man erlebt ständig Überraschungen in der Natur und muss selbst bei strömendem Regen den Generator in Gang setzen, wenn der Strom ausfällt. Das mit den Promis ist ein Klischee. Vielleicht zwei Prozent meiner Kunden sind prominent, der Rest sind normale Leute mit mittleren Einkommen, die nicht bekannt sind. Zu meinen prominentesten Kunden gehörten Nicholas Cage, Diana Ross, der Schah von Persien, Tony Curtis, Didi Hallervorden.
Wer verkauft Inseln und warum? Warum verkauft ein Staat eine Insel? Kommen die Anbieter auf Sie zu oder akquirieren Sie?
Der Staat verkauft i.d.R. keine Insel. Es sind Privatleute, von denen wir die Objekte erwerben. Aufgrund der meist großen emotionalen Bindungen sind die Hauptgründe für einen Verkauf nur Umstände wie Geldbedarf, Scheidung, Erbschaftsrealisierung. Manchmal sagt aber auch ein Inseleigentümer z.B. 10 Jahre Bahamas sind genug, ein Tapetenwechsel wäre jetzt angebracht, er möchte mal Irland versuchen.
Die Anbieter kennen uns seit mehr als 25 Jahren, es ist ein kleiner Markt, da wird man schnell bekannt. In einigen Fällen akquirieren wir aber auch selbst.
Wie viele Inseln haben Sie im Angebot?
Rund 2000 Inseln habe ich seit 1971 verkauft, jährlich sind es etwa 40. Zurzeit biete ich 120 Inseln zum Verkauf und über 130 zur Miete an.
Wie sind die Preise für eine Insel?
Welche Folgekosten müssen bedacht werden?
Für 50.000 bis 100 000 Euro bekommt man schon eine gute Insel an der Ostküste Kanadas. Wenn man ein Blockhaus dort bauen möchte, muss man ungefähr noch 100.000 EURO dazurechnen. An Folgekosten sind zu bedenken: Errichtung von – möglichst umweltfreundlichen – Energiesystemen, Transferkosten wie Boot /Helikopter und eben die sonst auch üblichen Kosten wie Grundsteuer, Verwaltung und Instandhaltung. All das richtet sich natürlich nach Lage, Umfeld und Größe. Beim Mieten einer Insel muß man sich auf einen Tagespreis ab ca. 100 EURO einstellen (Inseln um Halifax, Kanada).
Wie reagieren Einheimische, wenn eine Nachbarinsel an betuchte Ausländer verkauft wird? Gibt es Probleme?
Die Emotionen, die ausländischen Käufern entgegengebracht werden, sind sehr unterschiedlich. In den meisten Fällen und gerade in den letzten Jahren seit die Erde global vernetzt ist, treten immer weniger Probleme auf. Es werden zunehmend auch Fälle in den Medien bekannt, wonach auch Einheimische nicht sorgsam mit der Natur umgegangen sind und z.B. Parzellierungen vornehmen. Seit in vielen Ländern, z.B. Neuseeland oder auch Norwegen, sich in den Gesetzen entsprechende Vorschriften finden für die Bebauung von Küstenstreifen, ist es nicht relevant, wer Eigentümer der Inseln ist - Einheimische oder Ausländer. Es kommt auf die Intention an und den sensiblen Umgang mit der Natur. Immer wieder habe ich festgestellt, dass die Einheimischen heute sagen: Wer sich anpassen und mit uns leben kann, ist willkommen. Die vielleicht berechtigten Ängste, die es gab in Ländern wie den Bahamas oder den Seychellen, dass Ausländer Probleme beim Zusammenleben oder beim Umgang mit der Natur verursachen, sind heute Gott sei Dank weitestgehend ausgeräumt.
Was war Ihr ungewöhnlichster Verkauf und warum?
Der ungewöhnlichste Verkauf war mit Sicherheit der erste, weil er für mich ein Schicksalsverkauf war – Cousine Island in den Seychellen.
Ihr persönlicher Inseltraum?
Ich habe viele Jahre von einer Insel geträumt und konnte ihn später erfüllen: ich habe die in meinen Augen schönste Insel in Neuseeland gekauft und genieße diese von Jahr zu Jahr mehr. Heute träume ich davon, dass ich diese Insel noch recht lange genießen darf.
(Die Fragen stellte Angelika Trippe) |