Ein Gespräch über Robinson-Träume und Ballonflüge mit Farhad Vladi
Eigene Inseln sind nicht unbedingt nur etwas für die ganz Betuchten. Farhad Vladi bewies früh Mut und das richtige Gespür für einen noch nicht erschlossenen Markt: den Handel mit Inseln. Begeistert berichtet der Ausnahmeunternehmer von seinen Eilanden, Visionen und von Inseln, die Gemälden gleichen.
Wenn Farhad Vladi aus dem Fenster seines Büros am Hamburger Ballindamm blickt, dann schaut der 63-jährige direkt hinaus auf die Hamburger Binnenalster. Ein beeindruckender Ort, bei schönem Wetter tanzen die Sonnenstrahlen leicht auf dem Wasser der Alster und der Himmel scheint im dritten Stock des Bürohauses schon ganz nah. Heute ist er jedoch in das typische hanseatische Grau getaucht. Farhad Vladi kann darüber in seinem schwarzen Ledersessel großzügig hinwegsehen, ist er doch gewissermaßen die leibhafte Inkarnation des Traums von sonnenbeschienenen Stränden, blauen Lagunen und sanften Hügeln. Wer zu dem Spezialisten in Sachen privater Inseln kommt, der möchte ein exklusives Eiland erwerben, um dem Massentourismus Ade zu sagen.
In massiven Schränken lagern sie, feinsäuberlich und alphabetisch geordnet, die Akten, in denen Vladi seine Kleinode, die Eilande dieser Welt, verwaltet. Zieht Vladi vor dem interessierten Kunden eine dieser Akten, so sind sie schnell griffbereit, die wichtigsten Informationen zu den exklusivsten Fleckchen Erde dieser Welt. Topographische Karten, Luftbilder und Fotografien verschaffen Vladi schnell eine gute Orientierung und damit nicht selten auch einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil, wenn es um den An- und Verkauf der Inseln geht. 12.000 Inseln aus 40 Ländern sind im Archiv von Vladi gelistet, die der findige Kaufmann in zehn Inselregionen eingeteilt hat. Eine Gruppenbildung, die sich durch gemeinsame Merkmale dieser Inseln ergibt. Am Markt befinden sich zum Kauf jedoch nie alle Eilande, sondern ungefähr 120 Inseln, erzählt Vladi. Schnell bemerkt man, dass der Unternehmer zu seinen Schätzen ein ganz individuelles Verhältnis besitzt...
Der 63-jährige mit den lockigen grauen Haaren, dem gebräunten Gesicht und dem feinen, fast jungenhaften Grinsen, das zuweilen um seine Mundwinkel spielt, hört es deswegen nicht gern, wenn man ihn als Händler oder gar als Makler von Inseln tituliert. Vladi sieht das Ganze viel eher aus einer ästhetisch-idealistischen Perspektive. „Ich verkaufe Träume“, formuliert der Sohn eines persischen Kaufmannes und einer deutschen Mutter und präzisiert, dass er sich fast als eine Art „Kunsthändler der Natur“ betrachte. Zuweilen vergleicht der Unternehmer mit der feinen Stimme auch schon einmal eine Insel mit einem Gemälde, denn „beide sind ganz einzigartig“.
Wie Robinson Crusoe auf der Insel
Vielleicht war es die übermäßige Lektüre von Robinson Crusoe, vielleicht auch nur der Umstand, dass der Vater den jungen Vladi, wenn er in der Hamburger Innenstadt zur Arbeit ging, bei Dr. Götze Land & Karte absetzte, wo der Kleine die Zeit mit Atlanten verbringen sollte: Auf jeden Fall erlag Vladi nachhaltig dem Charme der Inseln. 1971 war es dann soweit, in der Zeitung stieß Vladi auf einen Bericht, nach dem ein Engländer für nur 5.000 DM eine Insel gekauft haben sollte. Der Bericht ließ den jungen Menschen nicht mehr los und der Preis schien dem Heranwachsenden sogar realisierbar. Beeindruckt gab Vladi selbst eine Anzeige zum Kauf einer Insel auf. Die Desillusionierung folgte auf den Fuß: Er musste schnell feststellen, dass die eingehenden Kaufangebote erst ab 300.000 DM begannen. Vladi gab jedoch nicht auf und bot das angebotene Eiland reichen Kaufleuten in der Hansestadt an. Und siehe da, fast klingt es wie ein Märchen, er verkaufte seine erste Seyschellen-Insel Cousine Island schließlich an den Hamburger Kaffeehändler Albert Darboven und an weitere betuchte Bürger der Hansestadt. Die Telefonnummern der reichen Hanseaten hatte Vladi übrigens im Telefonbuch gefunden.
Inzwischen besitzt der promovierte Volkswirt Vladi selbst eine Insel, die über alles verfügt, was ein perfektes Eiland ausmacht: sie ist gut erreichbar, hat einen schönen Strand und bietet auf einer Fläche von traumhaften sieben Millionen Quadratmetern eine abwechslungsreiche Vegetation. Bevor Vladi jedoch zum Inselbesitzer und zum weltweit geschätzten Spezialisten in Sachen Inseln wurde, absolvierte er zunächst auf Anraten seines Vaters, der dem Handel mit den Inseln äußerst skeptisch gegenüberstand, ein Traineeprogramm bei der Deutschen Bank. Gewissermaßen zur Sicherheit... Doch schnell waren der Abenteuerdrang und der Ruf der Inseln wieder größer und Vladi erschloss einen Markt, der noch gar nicht existierte. Forsyth Island heißt nun das „kleine“ Inselidyll mit beeindruckender hügeliger Vegetation, eigenen Kaschmirziegen und 2 Lamas, das Vladi sein eigen nennen darf. Seine Augen beginnen zu leuchten, als er von seiner Pazifikinsel spricht, von den Tieren, den Pflanzen und der Tatsache, dass er auch einen eigenen Pullover aus der Wolle seiner 50 Ziegen im Schrank hängen hat. Mit 20 g Wolle, die diese Ziegen im Jahr liefern, habe das Ganze allerdings ein Weilchen gedauert, scherzt der Unternehmer.
2 Monate ausspannen, dann durcharbeiten
Mit seiner Frau, der kleinen Tochter und seinem Sohn verbringt Vladi hier ungefähr 2 Monate des Jahres, die restliche Zeit über wird die neuseeländische Oase im südlichen Pazifik an Kunden vermietet. Vladis Kunden, die Inseln kaufen oder mieten, sind nicht etwa Aussteiger oder Faulenzer, korrigiert der Händler exklusiver Inselträume ein früh bestehendes Vorurteil. Er selbst ist eigentlich rund um die Uhr für seine Idee und Vision im Einsatz und wird von seinen Mitarbeitern hinter vorgehaltener Hand schon einmal liebevoll als Workaholic umschrieben. Vielmehr sind es Unternehmer und Individualisten, die sich mit Vladis Hilfe den Lebenstraum vom eigenen Eiland in schönen Regionen und Klimazonen dieser Welt erfüllen wollen.
Vladi selbst hat auch einen Traum, eine Vision, wenn man so möchte. Wer so sehr mit der Faszination und der Schönheit der Natur in Berührung ist, der ist natürlich auch um ihren Erhalt besorgt, hat ein Gefühl dafür, was es zu schützen gilt. Um der nächsten Generation diesen Schatz respektive die hoffnungsvollen Perspektiven, mit denen er selbst einmal unternehmerisch starten durfte, weiterzugeben, engagiert sich der „Herr der Inseln“ im Weltzukunftsrat (World Future Council). Seit seiner Jugend schon ist Farhad Vladi mit dem Gründer des Zukunftsrates, mit Jacob von Uexküll, befreundet. Und auch seine zweite Leidenschaft, nämlich die früh durch den Vater geweckte für historische Karten und Atlanten, konnte der Unternehmer mit einem klugen Engagement sinnvoll umsetzen. Als das renommierte Unternehmen Dr. Götze Land & Karte nämlich in eine finanzielle Schieflage geriet, konnte der Inselspezialist schnell zugreifen und das Geschäft übernehmen. Aber nicht nur Fernziele erweitern den Horizont, wie der Unternehmer weiß, auch in heimischen Gefilden lassen sich neue Horizonte erschließen: In diesem Sinne gewann Vladi auch der Hansestadt einige ungewohnte Perspektiven ab, indem er Schauwilligen, Touristen, eingefleischten Hanseaten und auch neugierigen Schulklassen die Elbmetropole einmal aus einer anderen, nämlich aus der Vogelperspektive offerierte. Wie das?
Mit seinem Aussichtsballon Highflyer können Schauwillige nun schon seit einigen Jahren täglich in 180 Meter Höhen über den Deichtorhallen schweben und einen spektakulären Blick über die Stadt an der Elbe genießen. Während der 15-minütigen Fahrt befindet man sich gewissermaßen in Augenhöhe mit der Spitze des Michels und genießt den Blick auf die städtebauliche Vielfalt der Hansestadt. Dies hat wohl auch die IBA Hamburg als Werbepartner entdeckt. Für sie und andere Unternehmen der Stadt fungiert der Ballon auch als Werbeträger – mit unbeschreiblichen „6-Millionen Blickkontakten“ am Hamburger Himmel, die dem Ballon laut Webseite des Highflyers schon am Boden zugesichert werden... Wer also über der Hansestadt abheben möchte, der findet den Ballon vor den Deichtorhallen und kann im 15-Minutentakt bei mäßigen Winden gen Himmel emporschweben. Mit frischer Elbbrise um die Nase und in luftigen Höhen über der Stadt, erscheinen viele Dinge gleich aus ganz anderer Perspektive....
Landkarten und Visionen
Inzwischen hat Vladi aus dem aufgekauften Geschäft Dr. Götze Land & Karte auch ein Reisebüro gemacht, eine weitere findige Idee, die half, sich inmitten der Masse von Buchhandlungen zu profilieren. Und auch Hilfreiches ließ sich mit dem „Finger auf der Landkarte“ realisieren. Vladi engagiert sich beispielsweise als Geldgeber der Organisation Map-Action, eine Initiative, die in Krisensituationen aktiv wird. Mit Hilfe von Satellitenbildern fertigt die Hilfsorganisation zum Beispiel Karten von Krisengebieten an, um den Rettungskräften vor Ort einen Einsatz zu ermöglichen. Naturkatastrophen, Erdbeben oder auch der Tsunami 2004 erfordern es einfach, dass die Rettungskräfte nicht erst befahrbare Wege suchen müssen, denn, so Vladi, das verschwende nur kostbare Zeit, in der man Menschenleben retten könne. In Kürze möchte Vladi darum das erste Büro der von England aus organisierten Initiative in der Hansestadt eröffnen.
Kleinode und Kleinwagen
Zurück zu beschaulicheren Schauplätzen: den Inseljuwelen: Sind Inseln tatsächlich für ein breites Publikum interessant? frage ich den Spezialisten in Sachen Inseln. Vladi ist überzeugt, dass Inseln nicht nur für die „Superreichen“ sind. „Wer sich einen Kleinwagen leisten könne, könne schließlich zum gleichen Preis auch in eine Insel investieren,“ so Vladi. Die günstigste Insel ist zur Zeit für etwa 75.000,- kanadische Dollar zu erwerben. Außerdem kann man bei der Vladi Private Islands GmbH auch eine Insel mieten. Die Tages- bzw. Wochensätze variieren dabei natürlich stark je nach Ausstattung der Eilande. Jedoch gibt es zum Beispiel auch die einfache kanadische Insel Sleepy Cove im Programm, die für nur etwa 190 kanadische Dollar pro Tag zum vorübergehenden Eigenheim werden kann. Das naturbelassene kanadische Eiland mit romantisch-rustikaler Blockhütte und kecken Eichhörnchen befindet sich übrigens im Besitz von Vladi selbst und gilt als wahres Schnäppchen unter den Inselliebhabern. Nach oben hin existieren allerdings kaum Grenzen, lächelt Vladi: Wünscht man beispielsweise noch ein exklusives Resort auf der Insel, so sind den gehobenen Ansprüchen kaum Beschränkungen auferlegt. Vladis Private Islands GmbH, die mittlerweile nicht nur das schöne Büro an der Alster, sondern auch eines im kanadischen Halifax besitzt, bietet ihren Kunden, zu denen auch Prominente wie Nicolas Cage oder Ex-Beatle Paul McCartney zählen, allerdings auch den Service der besonderen Art.
So ist man bei der Erschließung der Insel – der Versorgung mit Strom, Trinkwasser und wenn gewünscht auch Telefon und Internet – behilflich. „Es sei denn, jemand sucht für sich gerade den unberührten Robinson-Traum, was allerdings zunehmend seltener wird.“ Aber die Private Islands GmbH bietet noch mehr: Die Eilande der anspruchsvollen Individualisten bringen nämlich auch einigen Verwaltungsaufwand mit sich: Behördengänge, Besuche beim Notar und Eintragungen beim Grundbuchamt wollen erledigt sein, wobei die Inselprofis ihre Kunden nach Möglichkeit unterstützen.
Viele Besitzer eines Inselidylls nutzen zudem wie auch Vladi selbst die Möglichkeit, die Insel während ihrer Abwesenheit zu vermieten. Ein Umstand, der für potenzielle Käufer besonders interessant ist, denn vor dem Kauf einer Insel sollte man unbedingt in der Zielregion einmal „Probewohnen“, empfiehlt Vladi. Eine Insel ist eben eine ganz einmalige und individuelle Sache, weiß Vladi. „Was für den einen schön sei, müsse dem anderen nicht unbedingt gefallen.“ Deswegen heißt es vor Ort gehen und zu prüfen, ob Land, Kultur, Vegetation und Mentalität zur eigenen Person passen. Vladi kann stundenlang von seinen schönen Inseln berichten, er kennt sie wie kein Zweiter und formuliert so individuell, als würde er von Personen mit eigenen Charakterzügen sprechen. Fest steht: Er liebt den Handel mit den schönen Fleckchen Natur von ganzem Herzen. Dass die Bezeichnung Inselhändler da viel zu profan ist, versteht sich für jeden, der einmal mit Farhad Vladi gesprochen hat. Und ein solcher Ausdruck passt auch angesichts des ganzheitlichen Ansatzes und des Verantwortungsgefühls für die Natur nicht, die man hinter jedem Satz des vielseitigen (Vladi ist mit 10 % auch am Sender HH 1 beteiligt) und feinsinnigen Unternehmers erspüren kann.
Haben Sie Lust auf einen kleinen Inseltraum bekommen, vielleicht auch Abenteuerluft geschnuppert? Sind Ihre nächsten Ferien schon gebucht? Wie wäre es ansonsten einmal mit einem einsamen Stück Natur? - Kein Telefon, das stört, keine Nachbarn, keine Termine: nur Sand, Wasser und eben Sie.
Schaut man auf der Seite der Vladi Private Islands GmbH im Internet vorbei, wird im Insel-Shop zu diesem Zweck ein nützliches und schickes Utensil angeboten. Vergessen Sie also nicht, vor dem Flug in Ihren Robinson-Traum die exklusive Inseltasche inklusive Survival-Kit der Designerin Patrizia Gucci zu erwerben. Der von der Designerin entworfene Taschentraum in weiß könnte Ihnen einige Erleichterung verschaffen und dafür sorgen, dass die Abenteuerlust nicht in Abenteuerfrust umschlägt. Hier kommt der Inhalt der angebotenen Tasche: Sie erhalten ein Zelt für 2 Personen, einen Gutschein für einen 3-Tage Aufenthalt auf einer kanadischen Insel, Mineralwasser, Korken und eine Flaschenpost. Brennglas, Angel und Hängematte befinden sich ebenso wie ein Handtuch, der Roman Robinson Crusoe und ein Schweizermesser in dem eleganten Survival Bag. Eine Überlebensbox (?), eine Solarzelle mit Akku und ein Kompass runden das praktische Survival-Kit ab. Der Preis für den nützlichen Reisebegleiter inklusive Reisegutschein beläuft sich auf moderate 385,- Euro... Man gönnt sich ja sonst nicht den Traum vom wellenumspülten Eigenheim, und auf einer Insel sollte man eben auf alle Eventualitäten vorbereitet sein... Aber nicht, dass Sie jetzt Angst bekommen haben!
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